Die Ausgangsüberlegungen

 

Es gibt in Frankfurt am Main keinen Ort und keine Institution, die dem zeitgeschichtlichen Großereignis „68“ und seinem langen roten Jahrzehnt (Gerd Koenen) die ihm gebührende Aufmerksamkeit widmet. Anlässlich der Ausstellungen zum 50. Jahrestag von „68“ und der inhaltlichen Neu-Konzeption des Studierendenhauses auf dem CampusBockenheim haben wir eine Initiative um die folgenden Fragen gebildet.

  •  Welche Defizite bestehen, die durch ein „Frankfurter Revolte-Archiv“ beseitigt werden könnten?
  • Welche Aufgaben könnte/sollte ein Frankfurter Archiv der Revolte übernehmen?
  • Welche Vorstellungen zur Organisation, Trägerschaft und Finanzierung können wir vor entwickeln?
  • Warum ist das Studierendenhaus nach dem Auszug des AStA oder vorher der geeignete Ort für das Revolte-Archiv?

 

Warum ist ein Frankfurter Archiv der Revolte notwendig
Von den zahlreichen organisatorischen Projekten (Zeitraum 1965-1980), die in Frankfurt am Main im Kontext der Studentenbewegung, der APO, der Neuen Linken usw. entstanden, gibt es fast keine systematischen und wissenschaftlichen Standards genügende Darstellungen.

 

Eine erste Liste der Defizite:

  • Es gibt keine Geschichte des Frankfurter SDS, obwohl in Frankfurt am Main neben West-Berlin die bedeutendste Gruppe desSDS existierte und hier Hans-Jürgen Krahl (neben Rudi Dutschke) der Sprecher des SDS lebte.
  • Es gibt keine Geschichte des RK bzw. des Revolutionären Kampfes (der RK bestand als Kaderorganisation in den Jahren 1969 bis ca. 1976), der Kerngruppe der späteren Frankfurter Sponti-Bewegung, die mit ihren Interventionen „beim Opel“ und in anderen Betrieben sprichwörtlich wurde und auch maßgeblich die„Häuserkampfbewegung“  ab 1971 im Stadtteil Westend beeinflusste.
  • Es gibt keine Geschichte des Pflasterstrand (1976 bis 1991), es gibt keine Geschichte der alternativen Zeitschriften und Stadttzeitungen (AZ – Andere Zeitung, Hauptwache, ID=Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten).
  • Es gibt keine Geschichte der Frankfurter K-Gruppen, insbesondere des KBW, der in der Mainzer Landstraße 147 seine Zentrale hatte und in vielen Konflikten der damaligen Zeit intervenierte.
  • Es gibt keine Geschichte der aus der „Alternativbewegung“ hervorgegangenen oder damals bestandenen Betriebe, der Kneipen, der pädagogischen Projekte, der Zentren (Stadtteilzentren wie Gallus-Zentrum etc.), der Buchläden, der Verlage …
  • Die Anfänge der Neuen Frauenbewegung (Frauenzentren, Zeitschriftenprojekte, Buchladen) und die Anfänge der Ökobewegung sind unzureichend erforscht und dokumentiert. Dies gilt auch für die expliziten Organisationsansätze der Neuen Linken (beispielsweise des Sozialistischen Büros) und den Versuchen alternativer Infrastrukturen, z. B. dem Club Voltaire.

Der Verein Frankfurter Archiv der Revolte

Die Vereinsgründung erfolgte nach mehreren Vorbereitungsteffen seit Frühjahr 2018 am 16. Mai 2019.

Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt.

Die Gründer: Michaela Filla-Raquin, Bärbel Bimschas, Tim Schuster, Wolfgang Schopf,
Richard Grübling, Freia Anders, Hermann Kocyba, Norbert Saßmannshausen, Rolf Engelke.

Vorstand: Michaela Filla-Raquin, Norbert Saßmannshausen, Rolf Engelke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankfurter Archiv der Revolte

50 Jahre Sozialistisches Büoro